Workplace Readiness

Learning Experience Design - Case Study

Wie bereitet man internationale Studierende auf ihre ersten Erfahrungen im deutschen Arbeitsmarkt vor?

Zielgruppe:

  • internationale Studierende in Deutschland

  • GER A2

Rolle:

  • Learning Experience Designer

Rahmen:

  • self-paced E-Learning

  • 2 Wochen

Tools:

  • Figma, FigJam

  • Articulate Rise 360

Business Need

Internationale Studierende benötigen frühzeitig Orientierung für den Arbeitsmarkt. Ein Praktikum erleichtert den Berufseinstieg und unterstützt Unternehmen dabei, Talente frühzeitig kennenzulernen.

Learning Need

Lernende sollten den Bewerbungsprozess verstehen, ihre Stärken reflektieren und eine erste eigene Bewerbung erstellen können. 

Rahmenbedingungen:

  • internationale Studierende

  • Deutschniveau A2 GER

  • Hochschulkontext

  • self-paced E-Learning mit tutorieller Betreuung

  • ein Videocall

  • zwei Wochen

Meine Lösung

Ein handlungsorientiertes Learning Experience Design, das internationale Studierende sicher auf ihren ersten Einstieg im deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet.

Learning Journey

Designentscheidungen

1

2

3

Human-in-the-loop Learning


Ziel ist die Entwicklung beruflicher Handlungsfähigkeit. Sprachlich anspruchsvolle Aufgaben wie Anschreiben und Bewerbungsgespräch wurden bewusst integriert. Statt Komplexität zu meiden, berücksichtigt das Modul den realistischen Einsatz generativer KI und unterstützt Lernende dabei, KI kritisch und refklektiert zu nutzen.

Authentische Progression


Als authentischer Kontext wurde das Praktikum gewählt. Diese Situation ist für internationale Studierende hochrelevant und gleichzeitig häufig weniger anspruchsvoll als eine Bewerbung auf Stellen nach dem Studium. Dadurch entsteht ein realistischer und gut bewältigbarer Lernraum. Die Inhalte folgen dem Handeln. Das Handeln wird in den Schrittern einer vollständigen HJandlung geübt.

Prozessorientiertes Lernen


Anstatt lediglich sprachliche Strukturen zu trainieren, unterstützt das Modul Lernende darin, eigene Kompetenzen, Interessen und berufliche Ziele sichtbar zu machen. Sprache wird zum Werkzeug beruflicher Selbstpositionierung. Nicht das Produkt steht im Mittelpunkt des Lernens, sondern kognitive Prozesse wie reflektoieren, entwerfen, Feedback erhalten, überarbeiten, Entscheidungen treffen werden angeregt. Dafür gibt es Checklisten, Tutorfeedback, Peer-Interaktionen und einen Learning Action Plan.

Designprozess

Der Entwicklungsprozess orientierte sich an ADDIE: von Analyse und Learning Design über Entwicklung und Publishing bis zur geplanten Evaluation.

1 Analyse & Lernziele

Aus Zielgruppe, Business Need und Learning Need leitete ich handlungsorientierte Learning Outcomes ab. Die Progression führt von Orientierung und Analyse schrittweise zu eigenständiger Anwendung, Interaktion und Reflexion. Die Lernaktivitäten wurden so konzipiert, dass die Zielerreichung durch konkrete Ergebnisse und Handlungen sichtbar wird.

2 Konzeption & Struktur

Auf Basis der Learning Outcomes entwickelte ich eine handlungsorientierte Modulstruktur entlang eines vollständigen beruflichen Handlungsprozesses. Für die einzelnen Lernsequenzen übersetzte ich diese Makrostruktur anschließend in konkrete Lernaktivitäten, Interaktionen und Feedbackschleifen. Im Storyboard plante ich Lernziele, Inhalte, Interaktionen und Feedback, bevor die Umsetzung in Articulate Rise 360 begann. Im Prototyping wurden einzelne Interaktionen anschließend iterativ angepasst.

Das Storyboard diente als zentrales Arbeitsinstrument für die Konzeption der Lerneinheit. Es strukturierte die Abfolge der Screens und dokumentierte Lernziele, On-Screen-Texte, Interaktionen sowie Feedback und didaktische Begründungen.

Auszug aus Storyboard

Für die Portfolioansicht habe ich einen fokussierten Auszug gewählt. Das vollständige Storyboard enthält zusätzlich Medienhinweise, Feedbacklogiken und didaktische Begründungen.

Moodboard & Visual Direction

Zur Entwicklung der visuellen Sprache definierte ich zunächst Stimmung, Bildsprache, Farbwelt, Typografie und UI-Referenzen in FigJam. Auf dieser Grundlage entstand anschließend ein weiterentwickeltes visuelles Konzept in Figma Make, das als Orientierung für die Gestaltung des Prototyps diente.

Das Moodboard wurde anschließend mithilfe von Figma Make zu einer visuellen Direction weiterentwickelt und von mir als Designreferenz für den Prototyp genutzt.

Wireframes & Interaction Patterns

In einer frühen Konzeptionsphase entwickelte ich wiederverwendbare Screen-Typen für Analyse, Information, Übung, Produktion und Reflexion. Ursprünglich waren diese für eine flexiblere Storyline-Umsetzung gedacht. Nach der Entscheidung für Articulate Rise 360 wurden die Interaktionsmuster an die Möglichkeiten des Tools angepasst, während die zugrunde liegende Lernlogik erhalten blieb. Bei der Gestaltung der Screen-Typen orientierte ich mich an ausgewählten Prinzipien des Multimedia Learning nach Mayer (2017), insbesondere “Coherence”, “Signaling”, “Segmenting” und “Spatial Contiguity”. Ziel war es, Informationen klar zu strukturieren, unnötige kognitive Belastung zu reduzieren und Lernaktivitäten in überschaubaren, handlungsorientierten Schritten anzubieten (retrieved from https://doi.org/10.1111/jcal.12197).

2) Authentischer Input im Campus-Magazin
Der journalistisch gestaltete Artikel führt Hard Skills und Soft Skills anhand einer Praktikumsgeschichte ein. Durch Reportageelemente, Zitate und konkrete Arbeitssituationen werden die Begriffe im beruflichen Kontext erfahrbar und bereiten die Lernenden auf die Entwicklung ihres eigenen Bewerbungsprofils vor.

3 Learning Experience & Interaction Design

Die Lernaktivitäten wurden so gestaltet, dass Lernende Wissen nicht nur aufnehmen, sondern schrittweise auf ihre eigene berufliche Situation übertragen. Authentische Materialien, strukturierte Reflexion und produktorientierte Aufgaben führen von der Analyse zur eigenständigen Anwendung. Im Zentrum steht dabei die Handlungsfähigkeit der Lernenden: Sie entwickeln eigene Ergebnisse, erhalten Feedback und überarbeiten ihre Produkte iterativ. Je nach Lernziel wurden unterschiedliche Medienformate eingesetzt, darunter journalistische Texte, visuelle Scaffolds, interaktive Übungen sowie Hör- und Audio-Produktionsaufgaben. Die Portfolio-Ansicht zeigt exemplarisch ausgewählte Artefakte.

Vom Traumpraktikum zum Bewerbungsprofil

Die Lernsequenz führt von der persönlichen Reflexion über ein kontextualisiertes Beispiel schrittweise zur eigenständigen Anwendung. Ein Worked Example und strukturierte Aufgaben unterstützen die Lernenden dabei, Hard Skills, Soft Skills, Erfahrungen und berufliche Ziele für das eigene Bewerbungsprofil zu formulieren. Im abschließenden Peer-Austausch nutzen sie die Profile gegenseitig, um passende Praktika vorzuschlagen.

1) Reflexion:

3) Vom Skill zur beruflichen Selbstbeschreibung
Die Lernenden reflektieren zunächst eigene Hard und Soft Skills und erhalten sprachliche Satzstarter für die Formulierung ihres Profils. Ein Worked Example zeigt anschließend, wie Kenntnisse, Erfahrungen, Stärken und Ziele zu einem Bewerbungsprofil zusammengeführt werden. Im Peer-Austausch wenden die Lernenden die Kriterien aktiv an, indem sie sich gegenseitig passende Praktika vorschlagen.

4) Worked Example & Informationsentnahme

Ein Career-Center-Profil dient als Modell. Die Lernenden identifizieren relevante Informationen und übertragen sie in Kategorien wie Hard Skills, Soft Skills, Erfahrungen, Ziele und Verfügbarkeit.

5) Transfer & Peer Learning
Anschließend erstellen die Lernenden ihr eigenes Bewerbungsprofil, lesen die Profile anderer und schlagen passende Praktika vor. Das Profil dient zusätzlich als Sprechstütze für eine kurze mündliche Selbstvorstellung.

4 Development & Publishing

Der Prototyp wurde in Articulate Rise 360 umgesetzt und iterativ an die technischen Möglichkeiten des Authoring Tools angepasst. Dabei blieb die didaktische Logik aus Storyboard und Wireframes erhalten, während einzelne Interaktionen für die responsive Umsetzung vereinfacht oder neu gedacht wurden.

Der Kurs wurde sowohl als SCORM-1.2-Paket für den LMS-Einsatz als auch als Web-Version veröffentlicht. Die Web-Version dient zugleich als funktionierende Live-Demo des Prototyps.

Labeled Graphic: Beispielanalyse mit kontextbezogenen Hinweisen und Transfer auf frühere Lernaktivitäten.

Labeled Graphic: Beispielanalyse mit kontextbezogenen Hinweisen und Transfer auf frühere Lernaktivitäten.

Technical Snapshot

  • Authoring Tool: Articulate Rise 360

  • Format: Responsive self-paced E-Learning

  • LMS Export: SCORM 1.2

Feedback & Revision: Überarbeitung über generative KI, Checkliste und Tutorfeedback.

Feedback & Revision: Überarbeitung über generative KI, Checkliste und Tutorfeedback.

  • Tracking: Completion bei 100%

  • Reporting: Complete / Incomplete

  • Publishing: LMS, Web

  • Live-Demo: verfügbar

5 Reflexion & Learnings

Was hat gut funktioniert?

Die handlungsorientierte Struktur hat sich als tragfähiger Rahmen für die Learning Experience erwiesen. Die Lernenden werden nicht direkt mit einer komplexen Bewerbungsaufgabe konfrontiert, sondern schrittweise von persönlicher Reflexion und authentischem Input über Scaffolding und Worked Examples zur eigenständigen Produktion geführt.

Besonders gut funktioniert aus meiner Sicht die Verbindung von individuellem Lernen, Peer-Learning und Transfer. Lernende reflektieren zunächst ihre eigenen Ziele und Kompetenzen, entwickeln daraus ein Bewerbungsprofil und nutzen dieses anschließend im Austausch mit anderen sowie als Grundlage für mündliche und schriftliche Bewerbungsaufgaben.

Auch der Human-in-the-loop-Ansatz erwies sich als sinnvoll: Generative KI wird nicht als Ersatz für die eigene Lernleistung eingesetzt, sondern als eine von mehreren Feedbackmöglichkeiten neben Checklisten und tutorieller Unterstützung.

Was musste ich anpassen?

Die ersten Wireframes entstanden mit der Annahme, dass für die Umsetzung ein flexibleres Authoring Tool wie Articulate Storyline zur Verfügung stehen würde. Im weiteren Projektverlauf wurde deutlich, dass die Umsetzung in Articulate Rise 360 erfolgen musste.

Dadurch konnten einige geplante Interaktionen nicht eins zu eins umgesetzt werden. Statt die Lernziele an das Tool anzupassen, habe ich die Interaktionsformen vereinfacht und neu kombiniert. Die zugrunde liegende Lernlogik – analysieren, ausprobieren, produzieren, Feedback erhalten und überarbeiten – blieb dabei erhalten.

Diese Erfahrung hat für mich noch einmal bestätigt, dass Instructional Design zunächst von der Lernhandlung und nicht vom Tool aus gedacht werden sollte.

Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?

Bei einer nächsten Iteration würde ich technische Rahmenbedingungen und verfügbare Authoring Tools bereits früher in das Prototyping einbeziehen. Einzelne Schlüsselinteraktionen würde ich früher als Low- oder Mid-Fidelity-Prototyp testen, bevor die vollständige Learning Experience ausgearbeitet wird.

Außerdem würde ich bereits in der Konzeptionsphase einen konkreten Evaluationsplan definieren. Dadurch ließen sich Learning Outcomes, Aufgaben und Datenerhebung noch enger miteinander verbinden.

Bei einem realen Rollout würde ich außerdem früh mit einer kleinen Gruppe aus der tatsächlichen Zielgruppe testen. Besonders interessant wären dabei Verständlichkeit, wahrgenommene Relevanz, kognitive Belastung sowie die Frage, ob die Scaffolds ausreichend Unterstützung bieten, ohne die Aufgaben zu stark vorzugeben.

Evaluation

In dieser Case Study stand die Entwicklung und prototypische Umsetzung der Learning Experience im Mittelpunkt. Eine Evaluation mit realen Lernenden wurde daher nicht durchgeführt. Für einen tatsächlichen Rollout würde ich die Wirksamkeit jedoch von Beginn an mitplanen und insbesondere die ersten drei Ebenen des Kirkpatrick-Modells berücksichtigen.

Level 1 – Reaction

Wie erleben die Lernenden die Learning Experience?

Untersucht würden beispielsweise wahrgenommene Relevanz, Verständlichkeit, Benutzerfreundlichkeit und die Einschätzung, ob die Aktivitäten auf reale Bewerbungs- und Praktikumssituationen vorbereiten.

Mögliche Daten: kurze In-Course-Befragungen, Abschlussfeedback, Ratings und qualitative Kommentare.

Level 2 – Learning

Was haben die Lernenden gelernt bzw. entwickelt?

Hier würde geprüft, ob die definierten Learning Outcomes erreicht wurden – beispielsweise ob Lernende eigene Hard und Soft Skills identifizieren, ein aussagekräftiges Bewerbungsprofil entwickeln und ein Motivationsschreiben adressatengerecht erstellen und überarbeiten können.

Mögliche Daten: Pre-/Post-Selbsteinschätzungen, Rubrics für Lernprodukte, Checklisten, Qualität von Bewerbungsprofilen und Motivationsschreiben.

Level 3 – Behavior

Wird das Gelernte außerhalb des Kurses angewendet?

Nach einigen Wochen könnte untersucht werden, ob Lernende die entwickelten Strategien und Materialien tatsächlich bei ihrer Praktikumssuche und in realen Bewerbungsprozessen nutzen.

Mögliche Daten: Follow-up-Befragungen, Interviews, Rückmeldungen aus Career Services oder Tutor*innen sowie die dokumentierte Nutzung bzw. Überarbeitung eigener Bewerbungsunterlagen.

Screenshot aus Storyboard