Workplace Readiness

Learning Experience Design - Case Study

Wie bereitet man internationale Studierende auf ihr erstes Praktikum in Deutschland vor?

Zielgruppe:

  • Internationale Studierende in Deutschland

  • Deutsch A2 (GER)

Rolle:

  • Learning Experience Designer

Rahmen:

  • Self-paced E-Learning

  • Tutorielle Begleitung & Peer Learning

  • 2 Wochen

Tools:

  • Figma & FigJam

  • Articulate Rise 360

  • ChatGPT, Gemini

Business Need

Internationale Studierende benötigen frühzeitig Orientierung für den Arbeitsmarkt. Ein Praktikum erleichtert den Berufseinstieg und unterstützt Unternehmen dabei, Talente kennenzulernen.

Learning Need

 Internationale Studierende müssen Anforderungen des deutschen Bewerbungsprozesses verstehen, ihre eigenen Stärken und Erfahrungen reflektieren und diese adressatengerecht in einer ersten Bewerbung kommunizieren.

Projektrahmen:

  • Umfang: sechs Kapitel mit insgesamt ca. 80 Übungen

  • Vorgegebene Struktur: sechs Phasen einer vollständigen Handlung

  • Kontext: studienbegleitendes Hochschulangebot zur Vorbereitung auf erste berufliche Erfahrungen in Deutschland

  • Portfolio-Ausschnitt: ausgewählte Lernaktivitäten aus Planen und Durchführen

  • Entwicklungszeit: ca. 1 Monat

  • Technische Umgebung: unternehmenseigenes LMS und Authoring Tool, Moodle

  • Portfolio-Redesign: Figma, FigJam und Articulate Rise 360

Der Kurs richtet sich an internationale Studierende mit Deutschkenntnissen auf GER-Niveau A2, die sich auf erste berufliche Erfahrungen in Deutschland vorbereiten. Er kann beispielsweise im Rahmen eines hochschulischen Career-Service- oder studienbegleitenden Angebots eingesetzt werden. Ein konkreter Praktikumsplatz wird nicht vorausgesetzt.

Meine Lösung:

Eine handlungsorientierte Learning Experience, in der internationale Studierende den Bewerbungsprozess schrittweise durchlaufen: Sie erkunden Praktikumsmöglichkeiten, entwickeln ihr eigenes Bewerbungsprofil und erstellen schließlich eine konkrete Bewerbung für ein Wunschpraktikum. Scaffolding, authentische Anwendung und Feedback unterstützen sie dabei, zunehmend selbstständig zu handeln.

Hinweis zum Portfolio-Redesign: Das ursprüngliche Lernangebot entstand in einem anderen technischen und organisatorischen Rahmen. Für diese Case Study habe ich ausgewählte Lernaktivitäten didaktisch und visuell weiterentwickelt und als eigenständigen Prototypen in Articulate Rise 360 umgesetzt.

Learning Journey

1 Human-in-the-loop Learning

Ziel ist berufliche Handlungsfähigkeit. Deshalb arbeiten die Lernenden mit anspruchsvollen, realitätsnahen Aufgaben wie Motivationsschreiben und Bewerbungsgespräch. Generative KI dient dabei als Feedback- und Reflexionswerkzeug, nicht als Ersatz für die eigene Lernleistung.

Designentscheidungen

2 Authentische Progression

Das Praktikum bildet den authentischen Handlungskontext. Die Lernenden erkunden Praktika, entwickeln ihr Profil, erstellen Bewerbungsunterlagen und führen ein Bewerbungsgespräch. Die Komplexität steigt schrittweise entlang einer vollständigen Handlung (Bewerbung).

3 Prozessorientiertes Lernen

Nicht nur das Ergebnis zählt, sondern der Lernprozess steht im Fokus. Reflexion, Entwurf, Feedback und Überarbeitung unterstützen die Lernenden dabei, Kompetenzen, Interessen und berufliche Ziele sichtbar zu machen. Checklisten, Peer-Learning und Tutorfeedback unterstützen die Lernenden auf dem Weg zur selbstständigen Anwendung.

Designprozess

Der Entwicklungsprozess orientierte sich an ADDIE: von Analyse und Learning Design über Entwicklung und Publishing bis zur geplanten Evaluation.

1 Analyse & Lernziele

Aus Zielgruppe, Business Need und Learning Need leitete ich handlungsorientierte Learning Outcomes ab. Die Progression führt von Orientierung und Analyse schrittweise zu eigenständiger Anwendung, Interaktion und Reflexion. Konkrete Lernaktivitäten machen sichtbar, dass Ziele erreicht werden.

2 Konzeption & Struktur

Auf Basis der Learning Outcomes entwickelte ich eine handlungsorientierte Struktur für das gesamte Kapitel. Im Storyboard übersetzte ich diese in konkrete Lernaktivitäten, Interaktionen und Feedbackschleifen. Die geplanten Interaktionen wurden im Prototyping an die Möglichkeiten von Articulate Rise 360 angepasst.

Das Storyboard

Das Storyboard diente als zentrales Arbeitsinstrument und dokumentierte Lernziele, On-Screen-Texte, Interaktionen, Feedback und didaktische Begründungen.

Auszug aus Storyboard

Für die Portfolioansicht zeige ich einen fokussierten Auszug. Das vollständige Storyboard enthält zusätzlich Medienhinweise, Feedbacklogiken und didaktische Begründungen.

Screenshot aus Storyboard

Moodboard & Visual Direction

Zur Entwicklung der visuellen Sprache definierte ich in FigJam Stimmung, Bildsprache, Farbwelt, Typografie und UI-Referenzen. So entstand eine erste visuelle Grundlage für den Prototypen.

Auf dieser Grundlage entwickelte ich mithilfe von Figma Make eine Visual Direction, die ich anschließend als Designreferenz für den Prototypen nutzte.

Wireframes & Interaction Patterns

In einer frühen Konzeptionsphase entwickelte ich wiederverwendbare Screen-Typen für Analyse, Information, Übung, Produktion und Reflexion. Die Wireframes machten Interaktionsmuster und Feedbackwege sichtbar, bevor die technische Umsetzung begann.

Ursprünglich für eine flexible Storyline-Umsetzung konzipiert, wurden die Interaktionen später an Articulate Rise 360 angepasst. Die zugrunde liegende Lernlogik blieb dabei erhalten. Bei der Gestaltung orientierte ich mich an ausgewählten Multimedia-Learning-Prinzipien nach Mayer (2017), um Informationen klar zu strukturieren und unnötige kognitive Belastung zu reduzieren.

3 Learning Experience & Interaction Design

Dieser Abschnitt zeigt ausgewählte Lernaktivitäten aus den Phasen Planen und Durchführen. Im Fokus stehen die zentralen Designprinzipien der Learning Experience: authentischer beruflicher Kontext, gezieltes Scaffolding, aktive Produktion und sozialer Transfer. Die Artefakte zeigen, wie diese Prinzipien in konkrete Lerninteraktionen übersetzt wurden.

Vom Traumpraktikum zum Bewerbungsprofil

Die Lernsequenz führt von persönlicher Reflexion über authentischen Input und strukturierte Unterstützung zur eigenständigen Anwendung. Die Lernenden klären ihre Vorstellungen von einem Praktikum, erschließen Hard und Soft Skills im beruflichen Kontext und entwickeln daraus ihr eigenes Bewerbungsprofil. Ein Worked Example und gezielte Scaffolds unterstützen den Übergang zur selbstständigen Produktion. Im abschließenden Peer-Austausch schlagen sie sich auf Basis ihrer Profile gegenseitig passende Praktika vor.

1) Reflexion:

2) Authentischer Input im Campus-Magazin:

Der journalistisch gestaltete Artikel führt Hard Skills und Soft Skills anhand einer Praktikumsgeschichte ein. Durch Reportagestil, Zitate und konkrete Situationen im Praktikum werden die Begriffe im beruflichen Kontext erfahrbar und bereiten die Lernenden auf die Entwicklung ihres eigenen Bewerbungsprofils vor.

3) Vom Skill zur beruflichen Selbstbeschreibung

Die Lernenden reflektieren ihre eigenen Hard und Soft Skills und schätzen ein, was sie bereits sicher können. Sprachliche Satzstarter unterstützen sprachlich unsichere Lernende dabei, ihre Kompetenzen anschließend für das eigene Bewerbungsprofil zu formulieren.

4) Worked Example & Informationsentnahme

Ein Career-Center-Profil dient als Modell. Die Lernenden identifizieren relevante Informationen und übertragen sie in Kategorien wie Hard Skills, Soft Skills, Erfahrungen, Ziele und Verfügbarkeit.

5) Transfer & Peer Learning

Anschließend übertragen die Lernenden die Struktur auf ihre eigene Situation und erstellen ein persönliches Bewerbungsprofil. Im Peer-Austausch lesen sie die Profile anderer und schlagen sich passende Praktika vor. Das eigene Profil dient danach als Sprechstütze für eine kurze mündliche Vorstellung.

4 Development & Publishing

Der Prototyp wurde in Articulate Rise 360 umgesetzt und iterativ an die technischen Möglichkeiten des Authoring Tools angepasst. Dabei blieb die didaktische Logik aus Storyboard und Wireframes erhalten, während einzelne Interaktionen für die responsive Umsetzung vereinfacht oder neu gedacht wurden.

Der Kurs wurde sowohl als SCORM-1.2-Paket für den LMS-Einsatz als auch als Web-Version veröffentlicht. Die Web-Version dient zugleich als funktionierende Live-Demo des Prototyps.

Labeled Graphic: Beispielanalyse mit kontextbezogenen Hinweisen und Transfer auf frühere Lernaktivitäten.

Labeled Graphic: Beispielanalyse mit kontextbezogenen Erklärungen und Hinweis auf frühere Lernaktivitäten.

Feedback & Revision: Überarbeitung über generative KI, Checkliste und Tutorfeedback.

Feedback & Revision: Überarbeitung über generative KI, Checkliste und Tutorfeedback.

Technical Snapshot

Der Kurs wurde sowohl als SCORM-1.2-Paket für den LMS-Einsatz als auch als Web-Version veröffentlicht. Die Web-Version dient zugleich als funktionierende Live-Demo des Prototyps.

  • Authoring Tool: Articulate Rise 360

  • Format: Responsive self-paced E-Learning

  • LMS Export: SCORM 1.2

  • Tracking: Completion bei 100%

  • Reporting: Complete / Incomplete

  • Publishing: LMS, Web

  • Live-Demo: verfügbar

5 Reflexion & Learnings

Was hat gut funktioniert?

Die handlungsorientierte Struktur erwies sich als tragfähiger Rahmen: Persönliche Reflexion, authentischer Input und Scaffolding führen schrittweise zur eigenständigen Anwendung. Besonders wichtig war dabei die Verbindung von individuellem Lernen, Peer-Learning und produktiver Anwendung. Auch generative KI wurde bewusst als eine von mehreren Feedbackmöglichkeiten eingesetzt. Wichtig: Sie war kein Ersatz für die eigene Lernleistung.

Was musste ich anpassen?

Die ersten Wireframes waren für eine flexiblere Storyline-Umsetzung konzipiert. Bei der späteren Umsetzung in Articulate Rise 360 mussten einzelne Interaktionen vereinfacht oder neu kombiniert werden. Die zugrunde liegende Lernlogik blieb dabei erhalten, was für mich eine wichtige Bestätigung dafür war, Learning Design von der Lernhandlung und nicht vom Authoring Tool aus zu denken.

Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?

Technische Rahmenbedingungen würde ich künftig früher in das Prototyping einbeziehen und zentrale Interaktionen vor der vollständigen Entwicklung mit einfachen Prototypen auf Verständlichkeit und Nutzbarkeit prüfen. Für einen realen Rollout würde ich außerdem früh mit einer kleinen Gruppe aus der Zielgruppe testen und einen konkreten Evaluationsplan bereits in der Konzeptionsphase definieren.

Meine wichtigsten Learnings:

Aus der Entwicklung des Prototyps nehme ich vier zentrale Learnings für zukünftige Learning-Design-Projekte mit.

Design

Von der Lernhandlung ausgehen

Learning Outcomes und Lernhandlungen bestimmten das Design (nicht die Möglichkeiten des Authoring Tools)

Iteration

Constraints produktiv nutzen

Geplante Interaktionen wurden für Rise 360 angepasst, ohne die zugrunde liegende Lernlogik zu verlieren.

Scaffolding

Unterstützung schrittweise abbauen

Authentischer Input, Worked Examples und strukturierte Hilfen führen zur eigenständigen Anwendung.

Evaluation

Wirksamkeit mitdenken

Für einen realen Rollout würde ich die Evaluation entlang Kirkpatrick Level 1 - 3 bereits in der Konzeptionsphase planen.

Evaluation

In dieser Case Study stand die Entwicklung und prototypische Umsetzung der Learning Experience im Mittelpunkt; eine Evaluation mit realen Lernenden wurde nicht durchgeführt. Für einen realen Rollout würde ich die Evaluation bereits in der Konzeptionsphase mitplanen und die ersten drei Ebenen des Kirkpatrick-Modells berücksichtigen.

1 Reaktion

Lernerfahrung
Relevanz · Verständlichkeit · User Experience
während / direkt danach · Befragung

2 Lernen

Kompetenzzuwachs
Learning Outcomes · Qualität der Lernprodukte
am Ende · Auswertung der Lernprodukte

3 Verhalten

Transfer
Anwendung in realen Bewerbungssituationen
nach einigen Wochen · Follow-up Befragung

Die Evaluation würde entlang der ersten drei Ebenen des Kirkpatrick-Modells erfolgen. Dabei würde ich unterschiedliche Datenquellen kombinieren, um sowohl die Lernerfahrung als auch Kompetenzentwicklung und Transfer zu betrachten.

Level 1 – Reaction: Während des Kurses und unmittelbar danach würde ich Relevanz, Verständlichkeit und Benutzerfreundlichkeit erfassen. Besonders wichtig wäre die Frage, ob die Lernenden die Aktivitäten als hilfreich für reale Bewerbungs- und Praktikumssituationen wahrnehmen. Dafür eignen sich kurze In-Course-Befragungen, Abschlussfeedback und qualitative Kommentare.

Level 2 – Learning: Am Ende der Learning Experience würde ich prüfen, inwieweit die definierten Learning Outcomes erreicht wurden. Im Mittelpunkt stehen dabei die entstandenen Lernprodukte – etwa Bewerbungsprofil und Motivationsschreiben. Ihre Qualität könnte anhand vorher definierter Kriterien bzw. Rubrics beurteilt und durch Pre-/Post-Selbsteinschätzungen ergänzt werden.

Level 3 – Behavior: Einige Wochen später würde ich untersuchen, ob die Lernenden die entwickelten Strategien und Materialien tatsächlich in ihrer Praktikumssuche und in realen Bewerbungsprozessen einsetzen. Dafür wären Follow-up-Befragungen, Interviews oder Rückmeldungen aus Career Services sowie die tatsächliche Weiterverwendung und Überarbeitung der Bewerbungsunterlagen denkbar.